Diese Online-Ausstellung ist das Ergebnis der Übung „Historische Fotografie, Fototheken und die Entstehung der byzantinischen Kunstgeschichte“ am Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien im Wintersemester 2020/21. Sie versammelt und präsentiert die eigenständige Forschungsarbeit der dreizehn teilnehmenden Studierenden. Trotz erschwerter Bedingungen während der Covid-19-Pandemie und der daraus resultierenden Zugangsbeschränkungen zu Bibliotheken und Archiven, haben die Teilnehmenden vielfach Erstsichtungen, Einordnungen und adäquate Kontextualisierungen von wissenschaftlich noch kaum oder nur begrenzt aufgearbeitetem Material durchgeführt. Dadurch wurde nicht nur ein signifikanter wissenschaftlicher Mehrwert generiert; durch ihre Forschungen setzen die Studierenden zudem wichtige Impulse für eine weitergehende und vertiefende Beschäftigung mit den angeschnittenen Themenfeldern.

Im Zentrum der Ausstellung steht der Bestand zur byzantinischen Kunst und Architektur der Fotothek des Instituts für Kunstgeschichte der Universität Wien. Dieser wurde zwischen 2006 und 2008 im Rahmen des Projektes DiFaB (Digitales Forschungsarchiv Byzanz) digitalisiert, katalogisiert und in die Bilddatenbank UNIDAM der Universität Wien eingespeist. Zwischen 2010 und 2012 wurden rechtlich unbedenkliche Teile dieses Bildbestandes auch frei und in voller Auflösung über das digitale Repositorium PHAIDRA der Universität Wien zur Verfügung gestellt. Diese Digitalisate bilden die Grundlage für die hier präsentierten Forschungsergebnisse.

Die Studierenden haben ihre individuellen Ausstellungsbeiträge um dreizehn historische Persönlichkeiten organisiert, die als Urheber:innen einzelner Fotografien aus dieser reichen Sammlung belegt sind. Diese Auswahl an Fotograf:innen und Wissenschaftler:innen spannt einen Zeitraum von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis in die 1980er Jahre. Sie zeugt sowohl vom bedeutenden Stellenwert der Fotografie in der ‚Entdeckung‘ und Erforschung byzantinischer Monumente und Kulturgüter als auch von den interpersonellen, wissenschaftlichen und professionellen Netzwerken, über die diese Fotografien zirkulierten und akquiriert wurden. Auf diese Weise haben die Studierenden einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet, eine Vielzahl an bis dato kaum bekannten Akteur:innen dieser Wissensproduktion in die Historiographie der Disziplin einzuschreiben.

Eine Vielzahl an Fotografien und deren Kontexte erwiesen sich als tief verschränkt mit den Nationaldiskursen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, in denen zahlreiche dieser hier fotografisch festgehaltenen Monumente Identitätsnarrative stiften. Andere Aufnahmen hingegen sind eingebettet in orientalistische Diskurse über den östlichen Mittelmeerraum. So ermöglichte diese Form der fotografischen Visualisierung ‚antiker‘ Kulturgüter nicht nur deren Erkundung im Prisma kolonial(istisch)er Strukturen, sondern verankerte dadurch auch hegemoniale Wissenschaftsverhältnisse, die ein solches Betrachten, Einordnen und ‚Verstehen‘ als eine exklusiv (west-)‚europäische‘ Praktik installierten. In diesem Zusammenhang werden in dieser Ausstellung vor allem jene Bestände der Fotothek hervorgehoben, die aus dem Nachlass von Josef Strzygowski (1862-1941) stammen. Denn als Ordinarius und Leiter des sogenannten I. Wiener Kunsthistorischen Institutes von 1911 bis 1933 war er maßgeblich an der Etablierung der Kunstgeschichte jener Regionen, die ehemals das byzantinische Reich ausmachten, beteiligt.

Wir laden Sie herzlich dazu ein, Ihre eigenen Erkundungen über die Landkarte, die Einführung, die kuratierten Subnarrative oder direkt zu den dreizehn im Fokus stehenden Persönlichkeiten zu beginnen.

Fani Gargova