Home > Das Erbe von Byzanz – eine fotografische Dokumentation > Geschichte des byzantinischen Reiches

Geschichte des byzantinischen Reiches

Die Geschichte des byzantinischen (oder oströmischen) Reiches begann symbolisch im Jahr 330, als Kaiser Konstantin I (reg. 324-337) die Hauptstadt des römischen Reiches von Rom nach Osten in die Stadt Byzantion verlegte. Die Stadt wurde kurz danach in Konstantinopel – Stadt des Konstantin – umbenannt. Das Reich, auch Byzanz genannt, verstand sich durchgehend als Kontinuität des römischen Reiches und nicht als eine separate oder gar neue Entität. Es war eine Folge der Entwicklungen innerhalb des Reiches.

Der Begriff Byzanz ist ein Neologismus. Es wurde erstmals 1557 vom deutschen Humanisten Hieronymus Wolf in der Quellensammlung Corpus Historiæ Byzantinæ verwendet. Die Byzantiner:innen nannten das Reich selbst „Römisch“, auf Latein Imperium Romanum und Griechisch Βασιλεία τῶν Ῥωμαίων (Basileia tōn Rhomaiōn).

Das römische Staatswesen, das Christentum als Staatsreligion (ab dem 11. Jahrhundert das orthodoxe Christentum) und die griechische Sprache als Staatssprache ab dem 7. Jahrhundert waren Hauptmerkmale des byzantinischen Reiches. Trotzdem war es ein Vielvölkerreich, wo verschiedene ethnische Gruppen, Religionen, Sprachen und Kulturen nebeneinander existierten.

Die geographische Ausdehnung von Byzanz war fluktuierend. Obwohl Anatolien und der Balkan als Kernbiete gelten können, besaß das byzantinische Reich kurz- oder längerfristig Gebiete im Nahen Osten (heute Syrien, Libanon, Israel, Jordanien), in Nordafrika (heute Ägypten, Libyen, Tunesien) und im europäischen, westlichen Mittelmeer (Italien und Teile der Iberischen Halbinsel).

In der Zeit vom 9. bis 11. Jahrhundert, während einer relativ friedlichen und stabilen Epoche, nahm Byzanz die Vormachtstellung in der Region an. Ab dem Ende des 11. Jahrhunderts trugen Gebietsverluste, wirtschaftliche und militärische Probleme und die Eroberung und Besetzung Konstantinopels durch den Vierten Kreuzzug (1204-1261) zum allmählichen Verfall des byzantinischen Reiches bei. Dennoch war die darauffolgende, sogenannte spätbyzantinische Zeit von einer künstlerischen Hochblüte bestimmt. Das 1100-jährige, byzantinische Reich endete schlussendlich mit der Eroberung Konstantinopels durch das Heer des osmanischen Reiches im Jahre 1453.

Die moderne Geschichtsschreibung unterteilt die byzantinische Geschichte in 3 Phasen:

  • Spätantike – frühbyzantinische Zeit (um 330 bis zur Mitte des 7. Jahrhunderts)
  • Mittelbyzantinische Zeit (Mitte des 7. Jahrhunderts bis 1204)
  • Spätbyzantinische Zeit (1204/1261 bis 1453)

Weiterführende Literatur:

  • Angeliki E. Laiou, The Economic History of Byzantium: From the Seventh Through the Fifteenth Century, Washington DC 2002.
  • John F. Haldon (Hg.), The Social History of Byzantium, Chichester/Malden, MA 2009.
  • Judith Herrin, Byzantium. The Surprising Life of a Medieval Empire, London 2007.
  • Ralph – Johannes Lilie, Einführung in die byzantinische Geschichte, Stuttgart 2007.

verfasst von Christos Bintsis