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Der Nachlass von Josef Strzygowski

Wer war Josef Strzygowski?

[geboren 7.März 1862 in Bielitz-Biala, Österreich-Ungarn – gestorben 2.Jänner 1941 in Wien]

Strzygowski studierte klassische Archäologie und Kunstgeschichte in Wien, Berlin und München. Er schrieb seine Dissertation über die Ikonografie der Taufe Christi. 1909 übernimmt Strzygowski die Leitung der zweiten Lehrkanzel des seit 1897 getrennten Wiener Kunsthistorischen Institutes. 1911 werden die zwei Institute aufgrund von steigender Rivalität auch räumlich getrennt. Es folgen mehrere Forschungsreisen nach Rom, aber vor allem in den östlichen Mittelmeerbereich‚ nach Kaukasien und Russland. 1933 wird Strzygowski emeritiert, sein Institut wird daraufhin geschlossen. 1941 verstirbt Josef Strzygowski in Wien.
Josef Strzygowski ist im Kontext dieser Ausstellung von Bedeutung, da er durch seine Forschung und seine Reisen mit einigen Persönlichkeiten dieser Ausstellung zusammenarbeitete bzw. deren Fotografien nutzte.

Forschungsschwerpunkte und ideologisch problematische Inhalte bei Strzygowski

Strzygowski vertrat in seiner Forschung einen komparatistisch-formalistischen Ansatz, den er teilweise selbst in seiner Forschung bricht. Der Bruch mit der sogenannten Wiener Schule der Kunstgeschichte, lässt Strzygowski abseits von Rom bzw. der klassischen Antike nach ‘östlichen’ Ursprüngen der spätantiken und mittelalterlichen Kunst suchen. Im Buch „Orient oder Rom“ (1901) zeigt er seine teils schon ideologisch völkisch gefärbten Hypothesen auf – auch beginnt Strzygowski hier kontroverse Datierungen zu verwenden, welche seine eigenen Überlegungen bekräftigen. Den ‘Ursprung’ der christlichen Kunst findet er zuerst in frühchristlichen Gebäuden in Syrien. Während seiner weiteren Forschung verschiebt sich dieser ‘Ursprung’ immer weiter östlich, zuerst nach Armenien und schlussendlich in den Iran. Die rassistischen und nationalsozialistischen Tendenzen seiner Überlegungen werden in seinem Spätwerk immer stärker. Auch propagiert er einen „Nord-Mythos“ demnach Strzygowski die ‘nördliche’ Kunst, die in der Ideologie der Zeit auch als ‚arisch‘ angesehen wurde, der ‘südlichen’ Kunst der Mittelmeerregion als überlegen erachtet.

Strzygowski ist für die Horizonterweiterung der zuweilen immer noch überaus westozentristischen Kunstgeschichte Richtung Vorderasien heute noch von Bedeutung, dieser Verdienst wird aber durch das in seinen Schriften präsente rassistische und völkische Gedankengut stark getrübt. Auch werden seine Methoden des Bildvergleiches weiter angewendet, zum Beispiel durch seinen Schüler Otto Demus (1902-1990). 

Inhalt des Nachlasses von Josef Strzygowski

Der Nachlass von Josef Strzygowski wird heute im Archiv des Instituts für Kunstgeschichte der Universität Wien verwahrt. Dieser umfasst nicht nur Fotografien, sondern auch eine Vielzahl an anderen Objekten und Schriftstücken. Der Nachlass besteht aus insgesamt 11 Kartons. Zudem ist eine Vielzahl an Fotografien aus dem Nachlass von Josef Strzygowski auch Teil des Bestandes der Fotothek desselben Instituts. Die Ausstellungsteile zu Yervand Lalayan, Gertrude Bell, Hermann Thiersch, Rudolf Brünnow, Max von Oppenheim, Max van Berchem, Nikodim Kondakow und Dimitri Ermakov verwenden allesamt Fotografien aus dem Strzygowski-Nachlass der Fotothek.

Quellen:

verfasst von Maximilian Schachner